Schlossgeschichte

Die Anfänge


GrafikDorf und Schloss Heynitz, im Herzen von Sachsen gelegen, sind in ihrer Geschichte mit der Besiedlung der Mark Meißen im 10. Jahrhundert eng verbunden. Zur Zeit der Völkerwanderung, etwa ab 600, besiedelten slawische Stämme die fruchtbaren Gebiete zwischen Elbe und Saale. In der Gegend von Heynitz bis in die besonders fruchtbare Lommatzscher Pflege waren die Daleminzier ansässig. Sie wurden 928/929 in einem groß angelegten Heereszug von König Heinrich I. (dt. König 919 - 936) besiegt. Zur Sicherung des neuerworbenen Landes inmitten slawischen Gebietes ließ Heinrich 929 die Burg Meißen (Misina, Misni) gründen. Es war die Geburtsstunde der Mark Meißen.

Das frühmittelalterliche Schloss Darüber hinaus wurde ein Netz von kleineren Schutzburgen über das eroberte Land gezogen, häufig an die Stellen slawischer Fluchtburgen. Auch die erste Anlage des jetzigen Schlosses hatte die Funktion einer Schutz- und Wehrburg. Um 1170 gibt es erste Hinweise auf eine Pfahlgründung im sumpfigen Gelände des Tales, auf welche ein quadratisches Steinfundament gesetzt wurde. Darauf baute man einen 5-8m hohen Bruchsteinturm, den man durch eine Fachwerkkonstruktion mit Satteldach erhöhte. Zum Schutz wurde ein Wall aus mehreren Wassergräben und Holzpalisaden errichtet. Die Palisaden boten jedoch auf Dauer zu wenig Sicherheit, so dass man diese ab ca. 1250 durch eine Ringmauer ersetzte. Der Wassergraben, welcher die Ringmauer umgab, ist heute noch auf der Ostseite des Schlosses in Form eines Teiches erhalten. Damals begann man mit dem Ausbau des Turmes zum Wohnturm. Er wird erstmalig 1338 als "Turm mit Mauer" urkundlich erwähnt. Er ist noch heute in seiner Grundform erhalten und befindet sich im südwestlichen Teil der Anlage. Auch der heutige Grundriss des Schlosses entspricht dem der früheren Ringmauer, wodurch sich die kompakte, noch immer etwas wehrhaft und zugleich verwunschen wirkende Form erklärt.

Ausbau und Vollendung
PostkarteIn den folgenden Jahrhunderten wurde das Schloss zu Wohn- und Verwaltungszwecken erweitert. Im frühen 15. Jahrhundert wurde an die Nordseite des Turmes ein dreigeschossiger Giebelbau angesetzt. Dort befand sich der erste größere Raum (1. Rittersaal). Wahrscheinlich wurde für den Anbau die bereits vorhandene Ringmauer im Westen und zu einem Drittel im Norden überbaut. Der weitere Ausbau zur geschlossenen Anlage erfolgte im frühen 16. Jahrhundert und ist aufs engste mit Nicol von Heynitz verbunden. Er ist als Kanzler und Domherr zu Meißen in die Geschichte eingegangen. 1503 berief ihn das Domkapitel zum Domherren. Zwei Jahre später holte ihn Herzog Georg von Sachsen (der Bärtige) als Statthalter nach Dresden, wenige Jahre später wurde er sächsischer Kanzler. Auch familiär hatte sich Nicol große Verdienste erworben. Als sein Bruder Heinrich 1506 starb, nahm er sich der Witwe und ihrer vier Söhne an. Vor allem führte er aber den Schlossbau durch, den Heinrich begonnen hatte. In dieser Zeit erhielt das Schloss seine äußere Gestalt, die es bis auf den heutigen Tag behalten hat. Zuerst wurde der Turm nach Osten erweitert, dann rechtwinkelig nach Norden. Der Ostbau wurde schließlich mit dem Giebelbau der ersten Erweiterung rechtwinkelig zusammengeschlossen, wobei ein kleiner rechteckiger Innenhof entstand.

Kapelle Bemerkenswert ist das Chörlein an der Ostseite. Der Vorbau nach außen bildet ein halbes Achteck und ruht auf vier schweren Kragsteinen, von denen einer das Jahr der Fertigstellung - 1519 - angibt. Im Inneren wird die zierliche Schlosskapelle von einem rippenlosen Gratgewölbe (Zellengewölbe) überwölbt. In die drei Rundbogenfenster sind spätgotische Kabinettgläser mit kostbarer Malerei zu christlichen Motiven eingelassen.

Die verputzten Backsteingiebel mit Maßwerkfüllungen am Wohnturm könnten im frühen 16. Jahrhundert entstanden sein. Auch auf der Nordseite mit dem Hauptportal wurden etwas später zwei weitere Ziergiebel angebracht. Die für die Meißner Gotik typischen Vorhangbogenfenster stammen ebenfalls aus dieser Zeit.
Um die Nordfassade noch prunkvoller zu gestalten, wurden zuletzt zwei Renaissance-Erker angebracht, wobei der in östlicher Richtung aufwendiger und verspielter angelegt ist, als der westlich gelegene. Er trägt die Wappen derer von Heynitz und von Lauterbach sowie die Inschrift 1585, wo die Schlossanlage vollendet wurde und bis zum heutigen Tag kaum verändert. Sie zählt somit zu den bedeutendsten Renaissanceschlössern im sächsischen Raum.

Nahwallfahrten und Pilgerstation
Heiliger BennoEine Wallfahrtsbüste mit dem Heiligen Benno und dem Wappen der Familie von Heynitz zeugt von den Wallfahrtsaktivitäten vor der Reformation. 1523 wurde der Heilige Benno (1066 - 1106 Bischof von Meißen) zum Schutzpatron des Geschlechts derer von Heynitz und des Dorfes Heynitz ernannt. Die heute im Meißner Dommuseum ausgestellte Wallfahrtsbüste war wahrscheinlich in der Heynitzer Kirche untergebracht, die gleichzeitig Wegekapelle an der Alten Meißner Straße war, der im Mittelalter wichtigsten innersächsischen Handelsstraße zwischen Meißen und Freiberg. Diese Handelsstraße wurde auch von Pilgerern genutz, die besonders zwischen Böhmen und Meißen unterwegs waren. Die ehemalige Burg Heynitz bot Schutz und Unterkunft.

Jüngere Geschichte
In den Jahren 1847-1849 fand ein umfangreicher Umbau statt, der das Äußere im wesentlichen unangetastet ließ. Der Wendelstein im Südosten des Innenhofes wurde abgebrochen und durch ein großzügiges Treppenhaus ersetzt. Der Innenhof wurde durch eine Glasdachkonstruktion zu einem Lichthof abgeschlossen. Dazu kam der Bau der Freitreppe und Vergrößerung einzelner Fensterdurchbrüche im Inneren.

In den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts war Heynitz für den ökologischen Landbau wegweisend, als Benno v. Heynitz gemeinsam mit seiner Frau Eleonore, geborene von Canal, die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise auf ihren Gütern einführte. Nach dem Kriegsende musste die Familie von Heynitz im Rahmen der Bodenreform das Schloss verlassen. Sie flüchtete in den Westen Deutschlands. In der Zeit danach bis 2002 wurden die Räume des Schlosses für Schulklassen, Kindergarten, Gemeindeamt, Volkspolizei und mehr genutzt.

Im Jahr 2004 wurde Schloss und anliegende Nebengebäude vom Ehepaar Elisabeth und Dr. Eike von Watzdorf  und dem Förderverein Schloß Heynitz e.V erworben. Elisabeth von Watzdorf ist Betreiberin der Schlossanlage und hat gemeinsam mit ihrem Ehemann der Schlossanlage eine neue Ausrichtung gegeben.

Weitere Informationen und Quellen zur Schlossgeschichte

- Biographische Ausführungen zu Benno v. Heynitz (Kulturimpuls