Schlossgeschichte

Schutz- und Wehrburg

Die Geschichte von Heynitz ist mit der Besiedlung der ehemaligen Mark Meißen engstens verbunden. Zur Zeit der Völkerwanderung besiedelten slawische Stämme die fruchtbaren Gebiete zwischen Elbe und Saale. In der Gegend von Heynitz am Rande der Lommatzscher Pflege waren die Daleminzier ansässig, die schon zu frühesten Zeiten im geschützten Quellgrund von Heynitz eine Wallburg erbauten. Die Daleminzier wurden 929 von König Heinrich I. (919 - 936) besiegt, der zur Sicherung des neu erworbenen Landes im gleichen Jahr die Burg Meißen (Misina, Misni) und später an den Stellen der ehemaligen slawischen Fluchtburgen kleinere Schutzburgen errichten ließ. Um 1170 gibt es erste Hinweise auf eine Pfahlgründung im sumpfigen Gelände des Tales, auf die ein Wohnturm aus Bruchsteinen gesetzt wurde. Zum Schutz wurde ein Wall aus mehreren Wassergräben und Holzpalisaden errichtet, der später durch eine Ringmauer ersetzt wurde. Der im Jahr 1338 als "Turm mit Mauer" erstmals urkundlich erwähnt, ist noch heute in seiner Grundform erhalten und befindet sich im südwestlichen Teil der Anlage. Die Geschichte der ehemaligen Schutzburg ist engstens mit der Geschichte des alten Meißner Adelsgeschlechts derer von Heynitz verbunden. Bereits im Jahr 1005 ist ein Ritter Heynitz nachweisbar, der bei der Belagerung von Bautzen gefangen und getötet wurde. Neben der Lehnschaft zahlreicher Güter war die Betreuung der Schutz- und Wasserburg Heynitz eine der wesentlichen Aufgaben dieser alten Adelsfamilie.    

Umbau zur Schlossanlage

Der Umbau zum Repräsentationsbau mit Rittersaal und Kapelle erfolgte im frühen 16. Jahrhundert und ist aufs engste mit Nicol von Heynitz verbunden. 1503 berief ihn das Domkapitel in Meißen zum Domherren. Zwei Jahre später holte ihn Herzog Georg von Sachsen (der Bärtige) als Statthalter nach Dresden, wo er wenige Jahre später zum sächsischen Kanzler ernannt wurde. Im darauf folgenden Jahr wurde unter der Leitung seines Bruders Heinrich mit den Umbauarbeiten begonnen und nach dessen Tod durch Nicol von Heynitz fortgesetzt. In dieser Zeit erhielt das Schloss bis auf wenige Veränderungen seine heutige Gestalt. Von den Grundformen als moderner Renaissancebau gestaltet, finden sich gleichzeitig zahlreiche spätgotische Bauelemente, die besonders von Süden und Osten den Eindruck einer spätmittelalterlichen Ritterburg vermitteln. Der Architekt ist unbekannt, doch weisen viele Stilelemente nach Meißen, u.a. die für die Gotik typischen Vorhangbogenfenster. Mit zwei Renaissance-Erkern an der Nordseite wurde der Schlossbau 1585 vervollständigt.

Spätgotische Schlosskapelle

Gemeinsam mit dem Rittersaal wurde eine Kapelle errichtet, die der Beurkundung von Versammlungsbeschlüssen diente. Der nach Osten ausgerichtete  Kapellenerker bildet ein halbes Achteck und ruht auf vier schweren Kragsteinen, von denen einer das Jahr der Fertigstellung - 1519 - angibt. Im Inneren wird der zierliche Kapellenraum von einem sternförmigen Zellengewölbe überspannt. In die Rundbogenfenster sind Kabinettgläser mit kostbarer Grisaille-Malerei zu christlichen Motiven eingelassen. Bis 1945 hing eine Wallfahrtsbüste mit dem Heiligen Benno und dem Wappen der Familie von Heynitz oberhalb des Eingangsportals zur Kapelle. Die Büste befindet sich heute im Dommuseum in Meißen.

Rittergut Heynitz

Die Nutzung als Repräsentationsbau war nur für kurze Zeit und endete mit der Reformation 1539. Im Jahr 1561 erfolgte die Umwidmung zur Gutsanlage, womit auch die Zuordnung umfangreicher Ländereien verbunden war. In den Folgejahren entstanden Wirtschaftsgebäude an der West-, Nord- und Ostseite des ehemaligen Gutshofes. Die Größe des Hofes ermöglichte es der Familie von Heynitz Verwalter für die Bewirtschaftung des Gutshofes einzusetzen. Der 30jährige Krieg und das Auftreten der Pest führte im 17. Jahrhundert zu einem Niedergang, wovon sich Ort und Gutswirtschaft erst nach Jahrzehnten erholten. In den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts war das Rittergut für den ökologischen Landbau wegweisend, als Benno von Heynitz gemeinsam mit seiner Frau Eleonore die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise einführten. Nach dem Kriegsende, im Herbst 1945, wurde die Familie von Heynitz im Rahmen der Bodenreform enteignet und musste in den Westen flüchten.

DDR-und Nachwendezeit

Nach dem Krieg wurde die Schlossanlage zur Zufluchtsstätte für viele Heimatvertriebene. Es kam zum Einbau kleinerer Wohneinheiten im Schlossgebäude und zum Umbau und teilweisen Rückbau der Wirtschaftsgebäude. Ein Abriss des Schlossgebäudes konnte verhindert werden. Ab Mitte der 1950er Jahre wurden die oberen Schlosssäle als Unterrichtsräume für die Heynitzer Dorfschule genutzt. Darüber hinaus war der Kindergarten, die Gemeindeverwaltung und die Heimatstube im Schloss untergebracht. Bis 1960 wurden Teile der Wirtschaftsgebäude von der im Jahr 1952 gegründeten LPG "Florian Geyer" genutzt. Auch nach der Wende 1989/90 verblieb das Schlossgebäude im Gemeindebesitz, die an Dach und Fassade in den Folgejahren umfangreiche Sanierungen durchführte. Mit der Einverleibung der Gemeinde Heynitz nach Nossen verlor das Gebäude seinen bisherigen Nutzungszweck und wurde im Jahr 2003 zum Verkauf ausgeschrieben.

Neuere Geschichte

Im Jahr 2004 wurde Schloss und anliegende Nebengebäude vom Förderverein Schloß Heynitz e.V und dem Ehepaar Elisabeth und Dr. Eike von Watzdorf erworben. Der gemeinnützige Verein setzt sich mehrheitlich aus Nachfahren der ehemaligen Eigentümerfamilie von Heynitz zusammen. Die Betreibung und Entwicklung der Schlossanlage liegt in den Händen der Familie von Watzdorf, die vor Ort wohnt und lebt. Der Förderverein hat sich in den vergangenen Jahren besonders für die Restaurierung der Schlosskapelle engagiert und bemüht sich aktuell um die Finanzierung von Maßnahmen zur Erneuerung der Außenfassaden.